Zu viele Baustellen beim EV Zug – Sportchef Kläy setzt sich selbst unter Druck
Es hätte alles besser kommen sollen in der laufenden Meisterschaft nach der desolaten Viertelfinalserie vor einem Jahr gegen Davos (0:4). Die Verträge der drei Schweden Gabriel Carlsson, Niklas Hansson und Fredrik Olofsson wurden aufgelöst. An deren Stelle verpflichteten die Verantwortlichen Dominik Kubalik, Tomas Tatar sowie David Sklenicka. Kubalik war in der Saison zuvor, als er das Dress von Ambri-Piotta trug, mit 27 Treffern der beste Torschütze in der Qualifikation, Tatar kam mit dem Erfahrungsschatz von beinahe 1000 Partien in der NHL.
Dementsprechend hoch wurde der EVZ in den Prognosen eingeschätzt. Doch dann gewannen die Zuger nie mehr als zwei Spiele in Folge, lieferten sie immer wieder bedenkliche Leistungen ab. Zwar erreichten sie via die Play-Ins wenigstens noch die Viertelfinals, dort aber war Qualifikationssieger Davos (1:4 Siege) eine Nummer zu gross.
Frustration und Stress
Das letzte Spiel am Samstag in Davos war quasi ein Abbild der Saison. Die Gäste zeigten ein gutes erstes Drittel und gingen mit einer verdienten 1:0-Führung in die erste Pause, dann aber passte vor allem im Mittelabschnitt nichts mehr zusammen. Im ersten Spiel dieser Serie gaben die Zentralschweizer in den letzten sieben Minuten ein 3:1 preis und verloren 3:4. «Es gab Momente, in denen wir auf Augenhöhe waren, aber letztendlich machte Davos in den wichtigen Momenten den Unterschied», bilanzierte der Zuger Sportchef Reto Kläy kurz nach dem Ausscheiden am Telefon.
Hat er eine Erklärung für die Inkonstanz? «Auch wenn das nicht als Entschuldigung gebracht werden kann: Wenn man sieht, was für Ausfälle wir hatten und mit welcher Mannschaft wir teilweise gespielt haben, war das einer der Faktoren, die dazu geführt haben. Irgendwann bist du dann in einer Negativspirale. Dann kamen die ungenügenden Leistungen von gewissen Spielern dazu. Das ist eine ungünstige Mischung, um Konstanz zu erreichen. Es war ein Schneeballeffekt, führte zu Frustration und Stress. Am Ende ist es eine mentale Geschichte.»
Ungenügende Teamleader
Mit gewissen Spielern sprach Kläy insbesondere die Teamleader an. Kubalik schoss zwar 22 Tore in der Regular Season, verzeichnete jedoch eine Minus-7-Bilanz (total -10) und war im Viertelfinal in drei der fünf Partien überzählig. Bei Jan Kovar (total -12) war offensichtlich, dass er seinen Zenit überschritten hat. Daniel Vozenilek brachte es in seinen 41 Saisonspielen auf mickrige vier Tore und elf Assists. Tatar wurde seinem Ruf ebenfalls nicht gerecht und kam in den Playoffs auf eine Minus-7-Bilanz. Lukas Bengtsson fiel einen Grossteil der Qualifikation aus und war wohl auch deshalb nicht jene Teamstütze, die er hätte sein sollen.
Von den arrivierten Schweizern war Fabrice Herzog nur noch ein Schatten seiner selbst, zudem zog sich Torgarant Lino Martschini Ende Oktober eine Kreuzband- und Meniskusverletzung zu, was gleichbedeutend mit dem Saisonende war. In der Verteidigung fehlte Routinier Raphael Diaz einen grossen Teil der Regular Season. In der Summe war dies zu viel des Negativen. «Es braucht solche, die vorausgehen. Das hatten wir definitiv zu wenig», sagt Kläy. «Die Mannschaft lag irgendwie fast im Koma. In gewissen Momenten kam gar nichts mehr. Im Play-In und in gewissen Phasen der Playoffs war dann immerhin ein gewisses Aufbäumen zu sehen.»
Kläy muss liefern
Hilfreich war aufgrund des Negativstrudels auch nicht, dass es für den am 21. Januar entlassenen Trainer Michael Liniger – er wurde durch Benoît Groulx ersetzt – seine erste Saison als Headcoach in der höchsten Liga war, nachdem er vom Assistenten befördert worden war. Er wirkte am Ende überfordert. Kläy sagt, dass dessen Einsetzung im Nachhinein ein Fehler gewesen sei. «Aber wir hatten damals unsere Gründe, warum wir es gemacht haben. In diesem Business täuscht man sich halt manchmal.»
Jedenfalls muss nun auch Kläy liefern. Fühlt er sich unter Druck? «Alle müssen reflektieren und sich hinterfragen, was man hätte besser machen können. Das inkludiert mich wahrscheinlich am meisten.» Wichtig wird sein, nun einen geeigneten Trainer zu finden, «der die Mannschaft wieder dorthin bringt, wo wir sie erwarten», so Kläy. Auch mit Groulx wird es Gespräche geben, doch dürfte eine Weiterbeschäftigung eher unwahrscheinlich sein.
Umbruch eingeleitet
Was die Spieler betrifft, wurde der nötige Umbruch eingeleitet. Mit Verteidiger Eric Schneller und Stürmer Rico Gredig, die beide Jahrgang 2005 haben, holten die Zuger zwei vielversprechende Talente. Zudem stösst Energiespieler Chris Egli zum Team. Nando Eggenberger sowie Herzog verlassen den EVZ, und auch der Abgang von Dominik Schlumpf soll beschlossen sein. Bei den Ausländern läuft einzig (Jakob Lilja nicht eingerechnet) der Vertrag von Vozenilek aus. Es würde aber nicht erstaunen, wenn es dort auch sonst Änderungen geben würde.
«Die Mannschaft muss ein anderes Gesicht bekommen, muss wieder eine Identität haben», betont Kläy. Denn nochmals eine solche Saison wollen die Zuger nicht erleben. (nih/sda)
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
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